
Profi Tipp von Lucas Müller
“Viele Aquarianer machen den Fehler, Otocinclus direkt in ein frisches Aquarium zu setzen – und wundern sich, warum die Tiere nicht lange durchhalten. Mein Geheimtipp: Setze sie ausschließlich in Aquarien ein, die schon mehrere Monate laufen und auf deren Deko und Pflanzen sich eine richtige Schicht aus Grünalgen und Biofilm gebildet hat. Dann haben die Tiere sofort ihr natürliches Futter und müssen nicht mühsam an Ersatzfutter gewöhnt werden. Ich selbst setze Otocinclus nie in Aquarien ein, die jünger als 3–4 Monate sind somit habe ich keine Ausfälle.”
| Farbe: | Silbrig-grau mit markantem dunklem Längsband |
| Vermehrung: | Im Aquarium sehr selten / schwierig |
| Herkunft: | Wildfänge aus Südamerika (Amazonas-Zuflüsse) |
| Wasserwerte: | Weich bis mittelhart |
| Für Anfänger: | Ja |
Der Ohrgitter-Harnischwels (Otocinclus sp.) gehört zu den beliebtesten Algenfressern in der Aquaristik. Die kleinen, nur etwa 4–5 cm groß werdenden Welse stammen ursprünglich aus Südamerika, wo sie in kleineren Flüssen, Bächen und Randbereichen des Amazonasbeckens vorkommen. Dort leben sie in großen Gruppen dicht unter der Wasseroberfläche oder an Pflanzenbeständen und weiden unermüdlich Algen und Biofilme ab.
Im Aquarium überzeugen Otocinclus durch ihr friedliches Wesen und ihre Nützlichkeit. Sie reinigen Pflanzen, Wurzeln, Steine und Aquarienscheiben von weichen Algenbelägen und tragen so zu einem stabilen Gleichgewicht im Aquarium bei. Besonders beliebt sind sie in bepflanzten Aquarien, da sie den Pflanzenbestand schonend von Aufwuchs befreien, ohne die Blätter zu beschädigen.
Charakteristisch für den Ohrgitter-Harnischwels ist seine silbrig-graue Grundfärbung mit dem typischen dunklen Längsband, das sich von der Schnauze bis zur Schwanzflosse zieht. Trotz ihrer geringen Größe sind die Tiere sehr aktiv, sobald sie sich wohlfühlen, und zeigen im Schwarm ein interessantes Sozialverhalten.
Otocinclus gelten zwar als robust, sind aber empfindlich in der Eingewöhnung. Sie benötigen ein gut eingefahrenes Aquarium mit reichlich Aufwuchs, da sie diesen als Hauptnahrungsquelle brauchen. Werden sie in frische Aquarien ohne Biofilm gesetzt, verhungern sie häufig trotz Zufütterung. Wer diese Besonderheit beachtet, wird jedoch lange Freude an diesen faszinierenden kleinen Welsen haben.
Der Ohrgitter-Harnischwels stellt einige besondere Ansprüche an seine Umgebung, die bei der Haltung unbedingt beachtet werden sollten. Er fühlt sich nur in Aquarien wohl, die bereits seit mehreren Monaten stabil laufen und in denen sich eine natürliche Schicht aus Algen und Biofilm gebildet hat. Ein Aquarium ab 60 Litern mit dichter Bepflanzung und reichlich Versteckmöglichkeiten bietet die besten Voraussetzungen. Besonders wichtig ist eine gute Sauerstoffversorgung, da Otocinclus in ihrem natürlichen Lebensraum vor allem in klaren, sauerstoffreichen Fließgewässern vorkommen. Ein Filter mit leichter Strömung oder ein Luftheber sorgt hier für optimale Bedingungen.
Die Wasserwerte sollten im leicht sauren bis neutralen Bereich liegen, wobei ein pH-Wert zwischen 6,0 und 7,5 ideal ist. Weiches bis mittelhartes Wasser mit einer Gesamthärte von 2 bis 15 °dGH und Temperaturen von 22 bis 27 °C entspricht den Bedürfnissen dieser kleinen Welse am besten. Für eine naturnahe Einrichtung eignen sich feiner Bodengrund, reichlich bepflanzte Bereiche sowie Wurzeln und Steine, die zusätzlich als Aufwuchsflächen dienen. Getrocknetes Laub wie Seemandelbaumblätter verbessert nicht nur die Wasserqualität, sondern liefert den Tieren gleichzeitig wertvolle Huminstoffe und zusätzliche Biofilme.
Wichtig ist, dass sich im Aquarium genügend Algen und Biofilm gebildet haben. Nur dann finden die Tiere von Anfang an ausreichend natürliche Nahrung und können sich problemlos eingewöhnen.
In der Natur ernähren sich Ohrgitter-Harnischwelse fast ausschließlich von Biofilmen und Algenbelägen, die sie mit ihrem kleinen Saugmaul von Oberflächen abweiden. Dieses Verhalten zeigen sie auch im Aquarium: Den Großteil des Tages verbringen sie damit, Pflanzen, Wurzeln und Steine gründlich abzusuchen.
Da ein normal eingerichtetes Aquarium den hohen Bedarf nicht dauerhaft decken kann, sollte zusätzlich gefüttert werden. Geeignet sind besonders Spirulina-Produkte. Hochwertiges Welsfutter mit einem hohen Anteil an pflanzlichen Bestandteilen wird nach der Eingewöhnung zuverlässig angenommen. Tierische Nahrung wie Frost- oder Lebendfutter ist dagegen ungeeignet und kann zu Verdauungsproblemen führen. Ein abwechslungsreicher Speiseplan aus pflanzlicher Nahrung sorgt dafür, dass die Tiere vital bleiben und dauerhaft ihre wichtige Rolle als Algenfresser erfüllen.
Die Nachzucht des Ohrgitter-Harnischwelses im Aquarium gelingt nur in absoluten Ausnahmefällen und ist nicht mit anderen Zierfischen zu vergleichen. Zwar kommt es in seltenen Fällen zur Eiablage, meist an Pflanzen oder Aquarienscheiben, doch die Jungfische lassen sich nur schwer aufziehen. Sie benötigen feinste Algenbeläge und Mikroorganismen, die in normalen Aquarien kaum in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. Aus diesem Grund stammen nahezu alle im Handel erhältlichen Otocinclus aus Wildfängen. Für den normalen Aquarianer ist eine gezielte Zucht daher praktisch nicht möglich.
Der Ohrgitter-Harnischwels (Otocinclus sp.) ist ein friedlicher, kleiner und äußerst nützlicher Aquarienbewohner, der durch sein unermüdliches Abweiden von Algenbelägen für ein gesundes Gleichgewicht im Aquarium sorgt. Mit seiner geringen Endgröße von nur 4–5 Zentimetern eignet er sich hervorragend für bepflanzte Gesellschaftsaquarien und ist dabei völlig ungefährlich für Garnelen oder Schnecken. Wer ein stabiles, gut bepflanztes Aquarium anbietet und für eine ausgewogene Ernährung sorgt, wird lange Freude an diesen faszinierenden kleinen Schwarmfischen haben.
| Deutscher Name: | Ohrgitter-Harnischwels |
| Wissenschaftlicher Name: | Otocinclus affinis |
| Synonyme / Handelsnamen: | Otocinclus, Ohrgitterwels, Zwergsaugwels |
| Herkunft: | Südamerika |
| Herkunftsregion: | Amazonasbecken und kleinere Zuflüsse in Brasilien, Peru, Kolumbien |
| Lebenserwartung: | ca. 3 – 5 Jahre |
| Endgröße: | 4 – 5 cm |
| Wachstumsgeschwindigkeit: | Relativ langsam, mit 6–8 Monaten ausgewachsen |
| Wasserparameter: | GH: 2 – 15 / KH: 0 – 8 / pH: 6,0 – 7,5 |
| Temperatur: | 22 – 27 °C |
| Schwierigkeitsgrad: | Mittel |
| Pflegeaufwand: | Regelmäßige Wasserwechsel, sauberes, sauerstoffreiches Wasser |
| Aquariengröße: | Ab 60 Liter |
| Empfohlene Gruppengröße: | Mindestens 6 Tiere, besser 10+ |
| Futter: | Algenaufwuchs, Biofilm, spezielles Welsfutter |
| Fischgruppe: | Harnischwelse (Loricariidae) |
| Schwimmzone: | Boden / Scheibe |
| Sozialverhalten: | Friedlich, Gruppenfisch |
| Farben / Varianten: | Naturfarben – silbrig mit dunklem Seitenband |
| Besondere Merkmale: | Effektive Algenfresser, sehr kleinbleibend |
| Aktivitätsphasen: | Überwiegend tagaktiv, auch dämmerungsaktiv |
| Zucht: | In Aquarien fast nicht möglich, Nachzuchten aus Asien |
| Verhalten: | Friedlich, scheu in kleinen Gruppen, mutiger in Schwärmen |
| Vergesellschaftung: | Sehr gut mit Garnelen, Schnecken und kleinen friedlichen Fischen |
| Art | Möglich? | Begründung |
| mit Garnelen | Otocinclus sind absolut garnelensicher und fressen keinen Nachwuchs. | |
| mit Schnecken | Ideal, da Schnecken keine Konkurrenz darstellen und das Aquarium sauber halten. | |
| mit Zwergkrebsen | Wenn genügend Verstecke vorhanden sind, klappt es oft. Neugierige Krebse können aber nach den Welsen schnappen. | |
| mit Großkrebsen | Großkrebse wie Procambarus sind räuberisch und gefährlich für die kleinen Welse. | |
| mit friedlichen Fischen | Perfekt geeignet mit kleinen Schwarmfischen (z. B. Salmler, Bärblinge, Zwergbuntbarsche). | |
| mit aggressiven Arten | Räuberische oder sehr aktive Arten (z. B. Skalare, große Buntbarsche) stressen oder fressen Otocinclus. | |
| mit Welsen | Gut verträglich mit friedlichen Bodenbewohnern wie Corydoras oder kleinen Ancistrus. | |
| mit Kampffischen | Funktioniert oft, da Kampffische den Welsen wenig Beachtung schenken. Allerdings muss das Aquarium genügend Rückzugsmöglichkeiten bieten, damit kein Stress entsteht. |