
Profi Tipp von Lucas Müller
“Der Lapis Tetra zeigt seine berühmte blaue Längsbinde nur dann in voller Brillanz, wenn mehrere Männchen miteinander um den sozialen Status konkurrieren. In Gruppen mit nur einem oder zwei Männchen bleibt die Färbung oft erstaunlich blass, weil der biologische Anreiz für die volle Farbentwicklung schlicht fehlt. Wer das Maximum aus dieser Art herausholen möchte, setzt deshalb auf eine Gruppe mit einem etwas höheren Männchenanteil, etwa fünf Männchen auf drei bis vier Weibchen. Die Männchen stehen tagsüber dauerhaft in flachen Imponiergesten zueinander, dunkeln die schwarze Begleitlinie nach und lassen das namensgebende Lapisblau wirklich aufblitzen. Verletzungen treten dabei praktisch nicht auf, da die Tiere ihre Konflikte rein visuell austragen. Das ist der wahrscheinlich am meisten unterschätzte Punkt in der gesamten Lapis Tetra Pflege.”
| Farbe: | Goldener Grundton mit leuchtend lapislazuli farbener Längsbinde und schwarzer Begleitlinie |
| Vermehrung: | Im Aquarium unter passenden Schwarzwasserbedingungen möglich |
| Herkunft: | Nachzuchten |
| Für Anfänger: | Bedingt, eingefahrenes Schwarzwasseraquarium ist Voraussetzung |
Der Lapis Tetra Hyphessobrycon cyanotaenia gehört zu den optisch eindrucksvollsten kleinen Salmlern Südamerikas und ist gleichzeitig eine vergleichsweise junge Bekanntschaft im Aquarienhandel. Die Art wurde erst 2008 von den Wissenschaftlern Zarske und Géry beschrieben und ist damit eine der jüngsten Hyphessobrycon Arten überhaupt, die regulär im Handel verfügbar sind. Diese späte Entdeckung erklärt, warum der Lapis Tetra in vielen Standardwerken zur Aquaristik bisher noch fehlt oder nur am Rand erwähnt wird.
Heimat des Lapis Tetra ist das Einzugsgebiet des Rio Aripuanã in Brasilien, einem Nebenfluss des Madeira im westlichen Amazonasbecken. Dort lebt die Art in klaren bis leicht getrübten Schwarzwasserbereichen mit niedrigen Mineralwerten, ausgeprägter Strömung und reichlich Laub und Wurzelwerk am Boden. Diese Bedingungen bilden die Grundlage für eine artgerechte Pflege und sind kein optionales Extra, sondern bestimmen die Farbentwicklung und die Lebenserwartung direkt.
Sein Name verdankt der Lapis Tetra seiner kräftigen, fast metallisch leuchtenden Längsbinde, die je nach Lichteinfall in einem Spektrum von eisblau über himmelblau bis zu tiefem Lapislazuli aufblitzt. Unterhalb dieser blauen Binde verläuft eine deutlich abgesetzte schwarze Linie, die den Kontrast verstärkt und die Art unverwechselbar macht. Im großen Schwarm vor dunklem Hintergrund entsteht ein Bild, das in der gesamten Schwarmfischhaltung seinesgleichen sucht.
Im Aquarium ist der Lapis Tetra friedlich, ausgesprochen schwarmorientiert und in seinem Bewegungsverhalten erstaunlich elegant. Die Tiere halten sich vorzugsweise in der mittleren bis unteren Wasserzone auf und nutzen gerne Strömungsbereiche, in denen sie gemeinsam gegen das Wasser anschwimmen. Mit einer Endgröße von etwa 3 bis 4 Zentimetern bleibt der Lapis Tetra erfreulich kompakt und eignet sich auch für mittelgroße Aquarien, die für andere blickfangstarke Salmler oft zu klein wären.
Bei Hyphessobrycon cyanotaenia lassen sich die Geschlechter mit etwas Übung gut auseinanderhalten, vor allem dann, wenn mehrere Tiere im Schwarm direkt verglichen werden können.
Männchen sind insgesamt schlanker und stromlinienförmiger gebaut. Sie zeigen die volle Farbintensität der Linie, mit einer deutlich kräftiger ausgeprägten blauen Längsbinde und einer dunkleren, häufig sehr scharf gezeichneten Begleitlinie. Zusätzlich entwickeln dominante Männchen längere, stärker ausgezogene Rücken und Afterflossenspitzen, die in vollem Imponiergehabe noch zusätzlich aufgestellt werden.
Weibchen wirken im Vergleich rundlicher, vor allem im Bauchbereich. Die Farben sind gleichmäßiger, aber weniger leuchtend, und die Flossen bleiben kürzer und weniger spitz. In der Laichzeit ist der Bauch des Weibchens deutlich gefüllt, was die Unterscheidung weiter erleichtert.
Eine zuverlässige Bestimmung ist erst ab einer Körperlänge von etwa 2,5 Zentimetern sinnvoll. Bei sehr jungen Tieren ist eine Unterscheidung kaum möglich, weshalb sich für eine geplante Zucht oder eine geschlechterabgestimmte Gruppe der Kauf einer ausreichend großen Startgruppe anbietet.
Für eine artgerechte Pflege des Lapis Tetra ist ein Aquarium ab 80 Litern empfehlenswert, deutlich besser sind 100 Liter und mehr, da die Tiere echte Schwarmaktivität nur ab einer Gruppengröße von 10 Tieren entwickeln. Eine längliche Grundfläche ist hochformatigen Aquarien klar vorzuziehen, da der Lapis Tetra horizontale Schwimmstrecken aktiv nutzt.
Die Einrichtung sollte einem Schwarzwasserbereich aus dem westlichen Amazonas nachempfunden sein. Dunkler Bodengrund, viele Wurzelaufbauten, Laub aus Eichen oder Seemandelbaumblättern, sowie eine moderate Bepflanzung mit feinfiedrigen Pflanzen oder Javamoos bilden eine perfekte Kulisse. Schwimmpflanzen wie Wasserlinsen oder Muschelblumen dämpfen das Licht und verstärken die Farbwirkung der blauen Längsbinde deutlich.
Die idealen Wasserwerte liegen bei einer Temperatur zwischen 22 und 26 Grad Celsius, einem pH Wert von 4,5 bis 7,0 sowie sehr weichem Wasser mit einer Gesamthärte unter 10 Grad. Auffällig ist, dass der Lapis Tetra im Vergleich zu vielen anderen tropischen Salmlern leicht kühlere Temperaturen bevorzugt. Dauerhaft über 27 Grad Celsius reduziert die Aktivität und beschleunigt den Alterungsprozess sichtbar.
Wöchentliche Wasserwechsel von 25 bis 30 Prozent mit weichem, leicht angesäuertem Wasser halten die Bedingungen stabil. Huminstoffe aus Erlenzapfen, Seemandelbaumblättern oder spezialisierten Wasseraufbereitern wie Fish Humin gehören für den Lapis Tetra zur Grundausstattung und sind kein optionales Extra. Sie färben das Wasser leicht teefarben, senken den pH Wert sanft ab und unterstützen die Schleimhautgesundheit der Tiere.
Der Lapis Tetra ist ein typischer Mikropredator und ernährt sich in seiner Heimat überwiegend von winzigen Insektenlarven, Mikrocrustaceen und kleinen, ins Wasser fallenden Insekten. Diese Vorliebe für kleines, tierisches Futter sollte sich auch im Aquarium widerspiegeln.
Als Basis eignet sich hochwertiges, sehr feines Granulat oder Mikrogranulat für Salmler. Wichtig ist eine kleine Korngröße, da das Maul des Lapis Tetra nur winzige Bissen aufnehmen kann. Zu großes Futter wird häufig wieder ausgespuckt oder gar nicht erst angenommen.
Frostfutter wie Cyclops, frisch geschlüpfte Artemia und feine weiße Mückenlarven gehören regelmäßig auf den Speiseplan und sorgen für intensive Farben sowie eine sehr gute Kondition. Lebendfutter wie Tümpelfauna oder kleine Daphnien wird mit besonderer Begeisterung angenommen und stimuliert das natürliche Jagdverhalten im Schwarm.
Mehrere kleine Fütterungen pro Tag sind besser als eine große Mahlzeit. Diese Fütterungsstruktur entspricht dem natürlichen Verhalten und reduziert die Wasserbelastung deutlich, was im sensiblen Schwarzwasseraquarium besonders wichtig ist.
Der Lapis Tetra ist ein ausgesprochen friedlicher Mitbewohner für ein passendes Schwarzwasseraquarium. Aufgrund seiner geringen Größe und seines ruhigen Wesens sollten Mitbewohner sorgfältig ausgewählt werden, damit die zarten Salmler im Schwarm nicht bedrängt werden.
Sehr gut funktionieren Kombinationen mit anderen kleinen Schwarmfischen aus weichem Wasser. Bewährt haben sich der Rote Neon (Paracheirodon axelrodi), der Schmucksalmler (Hyphessobrycon bentosi) oder der Roter Phantomsalmler (Hyphessobrycon sweglesi), die alle ähnliche Wasseransprüche teilen und die Mittelwasserzone harmonisch ergänzen.
Im Bodenbereich sind Panzerwelse wie der Pandapanzerwels (Corydoras panda) oder der Dreibinden Panzerwels (Hoplisoma trilineatum) hervorragende Partner. Auch Saugwelse wie der Ohrgitterharnischwels (Otocinclus affinis) passen gut, da sie andere Reviere nutzen und keinen Stress verursachen. Garnelen wie die Amanogarnele (Caridina multidentata) oder die Crystal Red Garnele (Caridina cantonensis) sind ebenfalls problemlos kombinierbar, da der Lapis Tetra zu klein ist, um adulte Garnelen zu erbeuten.
Ungeeignet sind hektische, große oder räuberische Mitbewohner. Die Sumatrabarbe (Puntigrus tetrazona) zupft an den feinen Flossen, große Buntbarsche oder Schlangenkopffische wie Channa andrao oder Channa bleheri betrachten den Lapis Tetra eindeutig als Beute. Auch starke Futterkonkurrenten oder hektische Schwarmfische sollten vermieden werden, da der Lapis Tetra beim Fressen eher bedacht vorgeht.
Innerhalb der eigenen Art ist die Gruppenstärke der entscheidende Faktor. Mindestens 10 Tiere sollten es sein, deutlich besser sind 15 oder mehr. Erst ab dieser Schwelle entwickeln die Tiere ihr volles Verhaltensspektrum und zeigen die intensive Farbwirkung, für die der Lapis Tetra so geschätzt wird.
Die Zucht des Lapis Tetra gilt als anspruchsvoll, aber im engagiert geführten Schwarzwasseraquarium durchaus möglich. Wie viele andere Hyphessobrycon Arten laicht Hyphessobrycon cyanotaenia frei zwischen feinfiedrigen Pflanzen oder Wollfäden ab und betreibt keine Brutpflege.
Als Auslöser wirken in der Regel ein größerer Wasserwechsel mit deutlich weicherem und leicht kühlerem Wasser, eine konditionierende Frostfutterfütterung in den Tagen davor sowie eine reduzierte Beleuchtung. Eine konstante Wasserchemie mit niedrigem pH Wert und niedriger Leitfähigkeit ist die Grundlage für eine erfolgreiche Laichabgabe.
Nach dem Ablaichen sollten die Eltern zügig aus dem Ablaichaquarium entfernt werden, da sie ihren Laich verzehren. Die Eier schlüpfen je nach Temperatur nach 24 bis 36 Stunden, die Larven hängen anschließend einige Tage an Pflanzen oder Aquariumscheiben fest und beginnen erst nach Aufzehren des Dottersacks mit der freien Schwimmphase.
Als Erstfutter eignen sich Pantoffeltierchen, sehr feines Staubfutter und mit zunehmendem Wachstum frisch geschlüpfte Artemia. Die Aufzucht ist sensibel und gelingt nur erfahrenen Aquarianern zuverlässig, weshalb der Lapis Tetra im Handel weiterhin vergleichsweise selten und entsprechend gefragt bleibt.
| Deutscher Name: | Lapis Tetra |
| Wissenschaftlicher Name: | Hyphessobrycon cyanotaenia |
| Synonyme / Handelsnamen: | Blue Stripe Tetra, Lapislazuli Tetra |
| Herkunft: | Südamerika |
| Herkunftsregion: | Brasilien, Rio Aripuanã im westlichen Amazonasbecken |
| Lebenserwartung: | 4 bis 6 Jahre |
| Endgröße: | 3 bis 4 cm |
| Wachstumsgeschwindigkeit: | Mittel |
| Wasserparameter: | GH: Unter 10 / KH: 1 bis 5 / pH: 4,5 bis 7,0 |
| Temperatur: | 22 bis 26 °C |
| Schwierigkeitsgrad: | Mittel |
| Pflegeaufwand: | Wöchentlich etwa 25 bis 30 % Wasserwechsel empfohlen |
| Aquariengröße: | Ab 80 Liter |
| Empfohlene Gruppengröße: | Ab 10 Tieren, ideal 15 oder mehr |
| Futter: | Feines Granulat, Mikrogranulat, Frostfutter, Lebendfutter |
| Fischgruppe: | Echte Salmler (Characidae) |
| Schwimmzone: | Mitte / Unten |
| Sozialverhalten: | Friedlich, schwarmorientiert, leicht innerartlich imponierend |
| Farben / Varianten: | Goldener Grundton mit lapisblauer Längsbinde und schwarzer Begleitlinie |
| Besondere Merkmale: | Sehr junge Erstbeschreibung, ausgeprägtes Imponierverhalten |
| Aktivitätsphasen: | Tagaktiv |
| Zucht: | Anspruchsvoll, im Schwarzwasseraquarium möglich |
| Verhalten: | Aktiv, gesellig, friedlich |
| Vergesellschaftung: | Sehr gut für Schwarzwasser Gesellschaftsaquarien geeignet |
| Art | Möglich? | Begründung |
| mit Garnelen | Erwachsene Garnelen werden komplett ignoriert. | |
| mit Schnecken | Schnecken werden ignoriert und sind nützliche Mitbewohner. | |
| mit friedlichen Fischen | Friedliche Salmler mit gleichen Wasseransprüchen ergänzen den Schwarm hervorragend. | |
| mit aggressiven Arten | Hektische oder bissige Fische stressen den Schwarm sichtbar. | |
| mit Welsen | Bodenfische teilen sich das Aquarium ohne Konflikte. |